Die Frage, warum kubanische Zigarren über die Jahre knapper wurden, ist sehr komplex zu beantworten, basiert im Wesentlichen aber auf den Faktoren Wettereinflüsse und politischen Entscheidungen, die sich teilweise auch vermischen.
Am einfachsten sind hierbei noch die Wettereinflüsse zu erklären. Kuba gehört neben der Dominikanischen Republik, Puerto Rico und Jamaika zu den großen Antillen, einer Inselgruppe in der westlichen Karibik. Diese Region wird jährlich zwischen Ende Juni und November von Hurricanes und Starkregenereignissen heimgesucht und immer wieder wird Kuba hart davon betroffen. So auch mehrfach in den vergangenen Jahren, als z.B. 2023 ein großer Teil der Tabakinfrastruktur zerstört wurde. Trockenschuppen, Transportwege usw. waren nicht mehr nutzbar und oftmals wurden die Landwirte nicht mit Material und finanziellen Mitteln ausgestattet, um diese wieder aufzubauen. Auch Tabakfelder wurden so stark überschwemmt, dass diese erst wieder aufwändig hergerichtet werden mussten, um überhaupt Tabak anpflanzen zu können. Entsprechend gering fiel die Ernte 2023/24 aus.
Noch heute wird Kuba sozialistisch nach sowjetisch-marxistisch-leninistischem Vorbild regiert mit all seinen Folgen und Fehlanreizen, die zu mangelhafter Selbstversorgung im landwirtschaftlichen Bereich geführt haben, aber auch der Industriesektor ist aufgrund geringer Investitionen hinter seinen Möglichkeiten. Tatsächlich schien das System aber bis ca. 2019 halbwegs zu funktionieren, obwohl rd. 80 % der Lebensmittel gegen Devisen importiert werden mussten: Ab Anfang der 1990er Jahre wurde vor allem der Tourismus als Einnahmequelle entwickelt, Zigarren und Rum machen hingegen nur einen kleinen Teil an den Staatseinnahmen aus. Zudem generiert man Devisen aus der Vermietung von Ärzten ins Ausland, sowie dem Verkauf von Erdöl, welches man zuvor von Venezuela für andere Güter ertauscht hat.
Ab 2020 kollabierte dieses System zusehends. In Folge der Covid-19 Pandemie ging Kuba in einen mehrmonatigen harten Lock-Down (u.a. wurden Zigarrenfabriken geschlossen) und war für fast anderthalb Jahre für den Tourismus geschlossen. Die wichtigen Einnahmen blieben also aus und selbst heute hat sich der Tourismus nur auf einem geringen Niveau von der Pandemie erholt und die Landwirtschaft liegt mehr am Boden denn je. Selbst Zucker muss Kuba mittlerweile importieren, obwohl Kuba einst als die Zuckerinsel galt mit fast 9 Millionen Tonnen in 1989, von denen heute nur noch 350.000 Tonnen übrig sind. Auch die Tabakernte fällt geringer aus als noch vor Jahren, weil die Anbaufläche reduziert wurde.
Erschwerend kommt hinzu, dass Kuba seit 2020 von seinen damals ca. 11 Millionen Einwohnern rund 2 Millionen durch Flucht verloren hat und nun unter einem massiven Arbeitskräftemangel leidet.